Ein ungebetener Gast

oder: wie ich mit einer verhassten Bekannten umging

Was für eine herrliche Frühlingssonne! Ich sitze tatsächlich mal wieder draußen und schreibe diesen Blogartikel für dich. Entspannt und motiviert. Entspannt wie schon lange nicht mehr. Denn die letzten Wochen waren echt Hardcore für mich „Sensibelchen“.

Zu viel gearbeitet, zu viele Menschen um mich herum, zu viele Sorgen im Kopf, zu viele ToDos auf der Liste. Und vor allem: zu wenig Selbstfürsorge. Ich habe gepowert und durchgehalten bis zum Anschlag. Und habe kleine Anzeichen von Überreizung abgetan und ausgeblendet. Denn ich wollte ja immer „erst noch“ …

Bis SIE vor der Tür stand. Meine altvertraute, ungeliebte, verhasste Bekannte. Die Panikattacke. Wieder und wieder klopfte sie an, richtig penetrant. Mit diesem gruseligen Gefühl von Unwirklichkeit in mir. Mit so einem Kribbeln im Körper, das ich leicht fehlinterpretieren kann. Angst, was wohl mit mir los sein könnte. Panik, einfach umzukippen mitten in der Veranstaltung, bei einer wichtigen Besprechung oder während des Einkaufens.

© HaywireMedia - Fotolia.com

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Laut und deutlich sagte sie mir: „Es reicht! Sieh zu, dass du wieder zu dir kommst!“ Blöd, dass sie so brüllen muss, bevor ich tatsächlich innehalte. Wie mein Papa früher sagte: „Wer nicht hören will, muss fühlen!“

Dinge, die (auch dir?) helfen

Nach überstandener Attacke mache ich mir bewusst, dass sie „nur“ aufgetaucht ist, weil mein Maß mal wieder voll ist. Akut gehe ich dann aus der Situation raus, um wieder zu mir zu kommen. Aber mir ist auch klar, dass ich (wieder mal) langfristig etwas ändern muss.

So kann ich im ersten Schritt die Außenreize so weit wie möglich runterfahren. Weniger Veranstaltungen besuchen, weniger Menschen treffen, weniger Internet und ähnliche Medien. Mut zum Neinsagen, auch wenn es schwer fällt.

Mich dann auf meine Ressourcen besinnen, auf das, was ich kann und was sich schon bewährt hat. Zum Beispiel genug Wasser trinken. Das vergisst sich leicht, wenn man unter Strom steht. Wusstest du, dass Flüssigkeitsmangel im Gehirn ähnliche Symptome hervorrufen kann wie eine Panikattacke???
Pausen machen, und zwar echte Pausen. Nicht noch schnell die Mails checken, während ich auf meinem Brot kaue.
Meditieren. Ich weiß ja aus Erfahrung, dass mich regelmäßige Meditation innerlich ruhig und gelassener werden lässt. Wobei die Betonung klar auf „regelmäßig“ liegt. Meditieren mitten in einer Panikattacke? Klappt nicht.
Mich wieder bewusst bewegen, Sport machen. Um Stresshormone im Körper abzubauen.
Für genügend erholsamen Schlaf sorgen.
Autogenes Training
, das ich immer wieder „vergesse“, wenn alles gut läuft.

Auszeit

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Das alles sind keine neuen Erfindungen oder Erkenntnisse. Vielleicht dachtest du beim Lesen: „Wie langweilig, das weiß ich doch alles schon.“ „Eigentlich“ wissen wir doch alle, was „man“ tun sollte. Und doch braucht es manchmal einen inneren Aufrüttler, um das Wissen tatsächlich auch (wieder) anzuwenden. Ins TUN kommen, das Wissen umsetzten, regelmäßig und konsequent, das ist der Schlüssel.

Die Panikattacke ist (bei mir) ein „ausgezeichnetes“ inneres Stressbarometer. Sie springt sehr zuverlässig an, wenn ich meine Balance zu lange vernachlässige. Wenn ich zu lange zu viele Reize auf mich einprasseln lasse (innere wie äußere), ohne mir genug Zeit zu nehmen, sie auch zu verarbeiten. Angenehm ist diese Bekannte nicht. Gerne möchte ich auf ihren Besuch verzichten. Einfach, indem ich dauerhaft gut genug für mich selber sorge. Ich arbeite daran.

Und jetzt gehe ich meditieren 🙂

Petra Vorname

P.S. Was ist dein persönliches Stressbarometer? Woran merkst du sehr zuverlässig, dass es reicht? Und was tust du dann?

P.P.S. Im übrigen: es ist Dein Leben!

2 Gedanken zu „Ein ungebetener Gast

  1. Petra Manthey Beitragsautor

    Liebe Carolin,
    wow, das klingt nach einem starken Willen 🙂 . So straight bin ich da (leider) noch nicht. Aber ich bin dran 😉 , denn ich stimme Dir zu: die Veränderung kommt step by step und nur durch TUN.
    Danke für Deinen Kommentar 🙂
    Herzlich,
    Petra

  2. Carolin

    Regelmäßige Meditation kann auch ich nur empfehlen.
    Seit zwei Jahren meditiere ich täglich eine halbe Stunde – ausnahmslos und diszipliniert.
    Die Praxis transformiert einen langsam, aber stetig.
    Ich mache Zazen, weil es auf begleitenden Klimbim verzichtet, minimalistisch ist und auf das Wesentliche zeigt. „Sich selbst erkennen, sich selbst vergessen“ sagt Dogen Zenji, ein japanischer Meister des 12. Jahrhunderts. Verzichten auf Gedanken – für eine Weile – und diesem Moment, dem Jetzt, erlauben, einfach da zu sein und perfekt zu sein ohne mein Zutun. Sich zurücknehmen und zuhören lernen. Es kommt viel zurück: Stille, Erkennen von Zusammenhängen … leise, langsam. Es braucht nur den Willen, sich immer wieder hinzusetzen, auch wenn man weder Lust noch Zeit hat. Und das Vertrauen, dass die Transformation sogar dann wirkt, wenn man es zunächst nicht bemerkt.

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