Archiv der Kategorie: Naturarbeit

Ordnung oder Chaos im Außen und im Innern

Neulich war ein Teilnehmer in einem Seminar sehr frustriert. Er hatte einen Gang in der Natur gemacht mit einem bestimmten Ziel (das hier aber nicht wichtig ist). Währenddessen stellte er zunehmend fest, wie gerade alles war, die Wege befestigt, die Wiesen gemäht, nichts Wildes war zu sehen, alles schön ordentlich. Er fand das gar nicht gut und hatte den Eindruck, er sei ja gar nicht wirklich in der Natur.

Objektiv betrachtet könnte man sagen, na ja, er befand sich ja in einer Kulturlandschaft, die geprägt ist von Landwirtschaft, also Ackerflächen und Wiesen.

Waldweg

kultivierter Waldspaziergang

Deutschland ist ein sehr eng besiedelter Landstrich. Nahezu jedes Fleckchen ist, wenn nicht bebaut, so doch kultiviert. Selbst unsere Wälder sind größtenteils nach wirtschaftlichen Gesichtspunkten angelegt (auch wenn sich das Gesicht der Waldwirtschaft langsam wandelt). So ist es für die meisten von uns schwierig, aus der Haustür zu treten und mitten in wilder Natur zu sein. Das sieht in Schweden, Finnland oder der Mongolei ganz anders aus!

Wenn wir dies alles sehen und spüren, dass es uns frustriert oder traurig macht, dann lohnt ein Blick „in den Spiegel“. Wie innen so außen, wie außen so innen! Wenn das Außen mir alles schnurgerade zeigt, ohne Spannung und ganz un-wild, kultiviert, vorhersehbar, und mich dies unangenehm berührt, könnte es sein, dass ich mich in meinem Leben nach etwas mehr Wildheit, etwas mehr Spannung, etwas weniger Kultiviertheit und Anpassung sehne. So könnte ich losgehen und sowohl im Außen wie dann auch im Innen nach kleinen wilden Ecken suchen, die einen Ausgleich schaffen zu all dem Geraden.

Es könnte aber auch bedeuten, dass mich das Kultivierte im Außen unangenehm berührt, weil ich selber davon zu wenig in meinem Inneren finde, weil ich selber gern geordneter und gerader wäre. Dann könnte die Natur mir Hinweise darauf geben, wo ich anfangen kann, Ordnung in mein Leben zu lassen.

Wie sehen Sie das? Mein Vorschlag: machen Sie Ihren nächsten Spaziergang einmal unter diesem Gesichtspunkt. Erspüren sie, wie äußerliche Ordnung und Unordnung in der Natur auf Sie wirkt, welche Gefühle es auslöst, welche Gedanken Sie dazu haben. Und dann schauen Sie, ob Sie etwas davon in Ihrem Inneren wiederfinden können. Ich freue mich über Ihre Kommentare!

von alten Weibern und Mäusen

Was für ein herrlicher Altweibersommer! Die Sonne scheint und wärmt noch einmal so richtig wohltuend, die Vogelbeeren leuchten weithin, man möchte einfach noch mal alles in sich aufnehmen und einsammeln an Wärme, Farben, Gerüchen

Das erinnert mich an die Geschichte vom Mäuserich „Frederick“, die ich in meiner Kindheit wieder und wieder gelesen habe, und die mich bis heute rührt. Vielleicht kennen Sie sie auch?

„Der Winter naht. Alle Feldmäuse arbeiten Tag und Nacht, sammeln Körner, Nüsse und Früchte. Frederick der Mäuserich sammelt anstatt „normaler“ Wintervorräte Sonnenstrahlen, Farben, Gerüche und Wörter. Die anderen Mäuse lachen ihn aus und ärgern sich über ihn und seine Faulheit. Als aber der Winter voranschreitet, es bitterkalt ist und die Vorräte der anderen Mäuse zu Ende gehen, beginnt Frederick zu erzählen. Mit seinen Beschreibungen des Sommers bringt er den anderen Mäusen Wärme und Freude.“

Diese Geschichte ist eine, wie ich finde, schöne Metapher dafür, dass es sich lohnen kann, an seinem Ziel und seiner Vision festzuhalten, auch wenn die anderen um einen herum dies nicht verstehen und gutheissen können.

Ausserdem ruft sie uns dazu auf, innere Vorräte anzulegen, Wärme, Sonne, Farben, gute Gedanken, schöne Erinnerungen. Damit wir und unsere Sele in kalten, winterlichen frostigen Zeiten darauf zurückgreifen können. Wenn wir erschöpft sind, kann der Gedanke an das Rauschen und Gurgeln eines klaren Gebirgsbachs uns wieder Energie geben. Wenn wir traurig sind, hilft vielleicht der Gedanke an einen lieben Menschen oder an ein Tier, mit dem wir uns verbunden fühlen. Wenn uns innerlich kalt ist, kann uns eine innere Sonne wärmen.

Nutzen Sie also diesen Altweibersommer, um noch einmal bewusst in die Wärme und die besondere Stimmung von scheidendem Sommer und nahendem Herbst einzutauchen!

Und was hat das Ganze mit alten Weibern zu tun? Nun, in diesen Wochen im September, im Spätsommer, sind bestimmte Spinnen besonders aktiv. Sie lassen sich an ihrem Faden vom Wind durch die Gegend tragen und spinnen so viele, viele Fäden durch die Landschaft. Der morgendliche Tau bleibt daran hängen, so werden sie für uns in der Sonne sichtbar. Man verglich diese Fäden früher mit den grauen Haaren alter Frauen, so kam es zu der Bezeichnung „Altweibersommer“.

Sonnige Altweibertage wünscht

Ihre Burn Out-Expertin

Petra Manthey

die Antwort wussten die Vögel :-)

Angeregt durch den Kommentar einer Leserin meines Blogs, die sich mehr praktische Beispiele für Naturarbeit gewünscht hat, möchte ich heute eine Geschichte erzählen.

Die Aufgabe

Eine Frau mittleren Alters, nennen wir sie Anna, ist bei mir in der Beratung.

Es kristallisiert sich heraus, dass sie beruflich einen ganz neuen Weg gehen könnte – wenn sie sich denn trauen würde. Ich schicke sie los mit der Aufgabe, der Natur, den Wesen, wem auch immer, diese Frage zu stellen „soll ich den Neuanfang wagen und in der angedachten Richtung weitergehen?“ und um Antwort zu bitten.

Die Geschichte

Nach ihrer Rückkehr berichtet Anna, dass ihr auf der Wanderung so viele Vögel wie noch nie begegnet seien. Vögel bei der Futtersuche, beim Liedträllern, beim Nestbau usw. Alle schienen genau das zu tun, was ihre Aufgabe und somit stimmig war. Und alle schienen ihr zu sagen: tu, was dein Herz dir sagt, auch wenn es manchmal schwer ist.

Das klingt logisch und offensichtlich, wozu braucht man da extra so eine Aufgabe? Hätte sie da nicht auch selbst drauf kommen können? Oder hätte ich ihr das nicht auch einfach sagen können? Tatsache ist, dass Anna dies vorher nicht zugänglich war. Was war also geschehen?

Die Lösung

Im Vorfeld hatten wir uns mit ihrem Anliegen „Probleme am Arbeitsplatz“ beschäftigt. Wir hatten ausgelotet, worum es ihr eigentlich ging, was ihre Ängste bezüglich der Situation und einer möglichen Veränderung waren, welche Möglichkeiten sie hätte usw. Klassisches Coaching also, in dessen Verlauf sich auch im Unterbewusstsein etwas tut, oft unbemerkt. Dann stand sie vor einer Entscheidung, die rational für sie nicht zu lösen war, deren Antwort aber unbewusst bereits in ihr lag.

„Wie innen so außen“

Anna ging mit dem Fokus „triff eine Entscheidung“ auf ihre Wanderung. Dabei sollte sie aber nicht mehr darüber nachdenken (das hatte sie ja vorher bereits getan), sondern einfach in der Natur sein und wahrnehmen, was geschieht, was ihr begegnet. So fand sie Bilder und Symbole in der Natur, die ihr Inneres spiegelten, und die sie in eine Antwort für sich übersetzen konnte. Im Märchen wären ihr nun vielleicht Vögel begegnet, die ihr im Klartext oder verschlüsselt die Antwort gegeben hätten. Naja, in unserer Welt waren es nicht die Vögel, die die Antwort wussten 😉 , sondern Anna selbst.

Jemand anderes hätte etwas anderes erlebt, andere Symbole gefunden. Die genauso stimmig für ihn oder sie gewesen wären. Denn sein Inneres hätte auf andere Zeichen und Bilder reagiert, und das wäre genauso „richtig“ gewesen.

Kennen Sie das? Haben Sie Ähnliches auch schon mal erlebt? Ich finde solche Geschichten immer wieder spannend. Schreiben Sie mir doch einen Kommentar!

Naturarbeit in der Burn Out – Prävention

Wenn Sie einen Begleiter in schwierigen Phasen suchen, wollen Sie natürlich auch wissen, wie er arbeitet, wie er denkt, welchen Ansatz er verfolgt. Denn neben der „Chemie“, die natürlich stimmen muss zwischen Coach und Coachee, ist auch die Methode ein wichtiges Kriterium, nachdem jemand seinen Coach aussucht.

Welches ist mein Ansatz? Grundlage meiner Arbeit ist die Tatsache, dass wir Menschen selbst ein Stück Natur sind (was oft vergessen wird), und damit den gleichen Gesetzen von Wandel und Veränderung unterworfen wie die Natur „da draußen“. Die Natur kann uns ein Spiegel sein für innere seelische Vorgänge, wir können von und mit ihr lernen. Wenn wir uns im Freien aufhalten, gibt es keine Mauern mehr um uns, unser Blick wird weit, und wir können „Weitblick“ in Bezug auf unser Thema oder unser Problem erlangen.

Mit Naturaufgaben, Wahrnehmungsübungen, Ritualen und anderen Elementen der Naturarbeit begleite ich Sie dabei, in den Spiegel der Natur zu schauen, wobei die Natur selbst die größte Lehrmeisterin ist.